
Der Begriff Sgraffitto kommt aus dem Italienischen und bedeutet „gekratzt“. Sgraffitto oder Sgraffittomalerei ist der Name einer in Vergessenheit geratenen Technik, die Ende des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt wurde. Auf eine Schicht von dunklem Putz (Kreide, Sand und Holzkohle) wird eine Schicht heller Mörtel aufgebracht. Die in die helle obere Schicht eingekratzte Zeichnung bringt die darunterliegende dunkle Mörtelschicht zum Vorschein. Die vertiefte Linie umrahmt jedes Detail der Komposition und die so abgegrenzten Flächen werden farbig gestaltet.
Aufgrund der niedrigen Kosten und der unendlichen Auswahl von Motiven, die es jedem Bauherrn ermöglicht, sein Haus seiner Persönlichkeit nach individuell zu gestalten, erfreuen sich Sgraffitti großer Beliebtheit.
Sie sind Teil unseres kulturellen Erbes. Die schönsten Beispiele finden sich im Jugendstil. Die Werke von Paul Cauchie verschönern die belgischen Städte und lassen uns an den ästhetischen, kulturellen und sozialen Anliegen der jeweiligen Epoche teilhaben. Die Sgraffitti, die er für sein Haus erstellt hat, sind von außergewöhnlicher Schönheit.
Nahezu die gesamte Fassade ist von Sgraffitti bedeckt, die Allegorien der Künste darstellen. Die Farbtöne — Ockertöne von sandfarben bis hin zu gebranntem Erdfarben oder subtile Blautöne bis hin zu Steingrau — sind eng verwandt mit den Materialien, die für die Errichtung der Fassade gebraucht wurden.





Im vorderen Zimmer im Erdgeschoss ziehen sich Sgraffitti fortlaufend über die Wände, das Thema sind die fünf Sinne. Die vom Präraffaelismus geprägten Frauengestalten sind ätherisch, zart und langgliedrig. Ihre lange Haarpracht wird von einer Rose gehalten. Die Körperhaltung der Figuren — stehend, sitzend oder kniend — folgt jeweils der geometrischen Anordnung der Einrichtung.